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89 Bücher oder Manuskripte haben Verlage, Autorinnen und Autoren für den „Hans-im-Glück-Preis der Kreisstadt Limburg a. d. Lahn 2016“ eingereicht. Die Jury hat entschieden: Lea-Lina Oppermann erhält den Preis für ihr Manuskript „Die Wahrheit und wir“. Die Jury zeigt sich sehr erfreut, dass sie den „Hans-im Glück-Preis der Kreisstadt Limburg a. d. Lahn für Jugendliteratur“ einer noch so jungen Autorin, die Preisträgerin ist 18 Jahre alt, zusprechen konnte.

Lea-Lina Oppermann erhält für ihr Manuskript "Die Wahrheit und wir" den Hans-im-Glück-Preis der Stadt Limburg. Foto: Jana Schoop

Am Donnerstag, 6. Oktober, um 11:30 Uhr wird der Preis in der WERKStadt Lounge (Bahnhofsplatz 2 in Limburg) an Lea-Lina Oppermann verliehen. Im Anschluss findet eine Lesung aus dem Manuskript statt. Die Jury betont: „Lea-Lina Oppermann ist eine überzeugende und die unterschiedlichen Perspektiven stimmig einsetzende Erzählung gelungen.“ Irene Rörig, Leiterin des Kulturamts der Stadt Limburg, lädt alle Lesebegeisterten zur Feierstunde ein und verspricht eine „interessante Autorin und eine spannende Lesung“.

In ihrem Werk beschreibt Lea-Lina Oppermann, wie ein Amokläufer eine Schulklasse für wenige Stunden in Schach. Nach und nach müssen der Lehrer und die Klasse zehn Briefe öffnen, in denen Aufträge enthalten sind. Auf diese Weise übt der Amokläufer Vergeltung, denn er scheint die Schwächen und Geheimnisse der Klasse bestens zu kennen. Während die Polizei ihren Einsatz vorbereitet, nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung…

Begründung der Jury

Lea-Lina Oppermann ist nach Einschätzung der Jury eine überzeugende und die unterschiedlichen Perspektiven stimmig einsetzende Erzählung gelungen. In dem Kammerspiel befinden sich zwei Dutzend Schüler, ein Lehrer und eine unbekannte Person mit einer Pistole in einem abgeschlossenen Klassenraum. Das Manuskript beschreibt drei Stunden Angst und Ungewissheit, in denen die Fassaden bröckeln, Konflikte offenbar und unangenehme Wahrheiten ausgesprochen werden.

Mit "Wunschzetteln" fordert der Bewaffnete zu Handlungen auf: Der Lehrer soll der Lieblingsschülerin ins Gesicht spucken, die beiden Mitläufer müssen die Kleider tauschen, ihre beste Freundin muss der Narzisstin die langen Haare abschneiden, die angefangene Doktorarbeit des Lehrers, der seine Schüler kaum wahrnimmt, samt Laptop wird zerstört. Die Schüler werden fortwährend zu Tätern, der Begriff Freundschaft harten Proben unterzogen und die Masken fallen.

Die Schande des Vorteilssuchers wird offenbar, wenn er seine Tasche mit gestohlenen Gegenständen seiner Klassenkameraden ausleert, ebenso die Magersucht der hart über alle anderen urteilenden Selbstgerechten, die nun einen Big Mäc essen muss.

Erzählt wird aus drei Perspektiven, der Mitschüler Fiona und Mark wie die des Mathelehrers. Der Leser ist so unmittelbar beteiligt, so dass er sich selten in die Rolle des distanzierten Beobachters zurückziehen kann. Fiona wird die Katharsis bewusst, wenn sie den Blender Sylvester küssen soll: Nichts bleibt mehr von dem Typ, den sie angehimmelt hat zurück. Aber die Liste der entlarvenden Grausamkeiten wird brutaler, wenn die Schüler die Hand der Lügenkönigin Alice ins Feuer legen sollen, wenn das Klassenskelett Hugo zerstört werden muss und nach dieser Forderung "Hugo muss sterben" die nächste im Raum steht: Der mitleidlose Schönling Sylvester soll sterben.

Mehr und mehr dämmert den Schülern, dass die bewaffnete Person eine sein muss, die sie kennt, besser als sie sich selbst. Man könnte es Rache nennen, aber wie eine Dürrenmattsche Claire Zachanassian fordert sie Einsichten: "Ich will Gerechtigkeit. Wenigstens drei Stunden lang." Für alle Beteiligten wird nichts mehr so sein wie vorher: Die Anklage, dass keiner der Schüler den anderen wirklich wahrnimmt, der Vorwurf, dass sie sich das Leben permanent zu ihrem Vorteil zurechtrücken, wiegt zu schwer.

 

Zur Autorin

Lea-Lina Oppermann wurde am 1. April 1998 in Berlin geboren, wohnt aber seit Jahren in Hennef (NRW). Geschichten zu hören, zu lesen und zu erleben hat sie dazu gebracht, selbst mit dem Erzählen anzufangen – in Wort, Ton und Schauspiel. Am liebsten ist ihr aber das Wort. „Die Wahrheit und wir“, ist Oppermanns erster Jugendroman. Zuvor schrieb sie vor allem Kurzgeschichten und Sprechtexte für ihre zweite große Leidenschaft, den Naturfilm.

Von 2013 bis 2015 spielte Oppermann im Musical „Die Chroniken von Narnia“, die Rolle der Susan am Jungen Theater Bonn. 2014 besuchte Oppermann als Schülerstudentin ein „Kreatives Schreiben Seminar“ an der Uni Bonn und ist seitdem Mitglied in der dortigen Schreibgruppe. Seit Februar 2015 ist sie außerdem als Autorin auf der Online Plattform Oetinger34 unterwegs, wo sie in Zusammenarbeit mit Lektorinnen und Illustratoren mehrere Kinderbücher gestaltet. Oppermann plant ein Studium im Fach Sprechkunst zu absolvieren.

Preise/Auszeichnungen

2014 gewann Oppermann den THEO Berlin-Brandenburgischer Preis für junge Literatur und den Förderpreis des Treffens Junger Autoren mit ihrer Kurzgeschichte „Remis“.

Publikation

Veröffentlichung der Kurzgeschichte „Remis“, in der Anthologie des THEO (2014), Veröffentlichung der Kurzgeschichte „Eine Droge namens Freundschaft“ in der Anthologie des Kurgeschichtenwettbewerbs Siegburg, Veröffentlichung eines Kurzkrimis „Angstfutter – Anthologie der 20 besten Kurzkrimis im Rahmen der Crime Cologne“, dreizehn/achtzehn Verlag.

Die Plätze zwei bis fünf

Platz 2: Katrin Zispe, „Die Quersumme von Liebe“, Magellan Verlag;

Platz 3: Christoph Scheuring, „Echt“, Magellan Verlag, und Franziska Moll, „Egal wohin“, Loewe Verlag; Platz 5: Peer Martin, „Sommer unter schwarzen Flügeln“, Friedrich Oetinger Verlag.

Der Preis

Der Preis wurde im Jahr 1977 von dem Schriftsteller Hans-Christian Kirsch und
seiner Frau gestiftet. 1987 wurde er von der Kreisstadt Limburg als Förderpreis für Jugendbuchautoren und -autorinnen übernommen. Er wird im Turnus von zwei Jahren vergeben und ist mit 3000 Euro und einer Kugel mit 24-karätiger Blattvergoldung der Limburger Silberschmiedin Annette Zey dotiert.

Die Jury

Jutta Bummel, Buchhändlerin, Gabriele Fachinger, Bibliothekarin, Jutta Golz, Bibliothekarin, Dr. Stefan Hauck, Fachredakteur beim Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Ralf Schweikart, M. A., Redakteur und freier Journalist.