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115 Bürger von Limburg sind in der Zeit von 1933 bis 1945 Opfer des NS-Regimes geworden. Mit Stolpersteinen erinnert die Stadt an sie. Am Freitag, 8. Juli, sind 21 neue Erinnerungsorte hinzugekommen. Insgesamt weisen nun 69 Stolpersteine in der Kernstadt und einigen Stadtteilen auf Opfer hin.

 

Auftakt auf dem Limburger Kornmarkt: Gunter Demnig verlegt die Stolpersteine für Elisabetha und Paula Merz, Schülerinnen und Schüler der Leo-Sternberg-Schule verlesen dazu die biografischen Daten, rechts Bürgermeister Dr. Marius Hahn.

„Es ist ein Projekt der Bürger“, machte Bürgermeister Dr. Marius Hahn zum Auftakt der bisher vierten Stolperstein-Verlegung auf dem Kornmarkt deutlich. Ein Bürgerprojekt, da die Verlegung und die damit verbundene Aufarbeitung der Schicksale auf einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zurück geht und die Steine ausschließlich durch Spenden finanziert werden.

Von den 21 Opfern, an die mit der Verlegung am Freitag gedacht wird, gehörten 18 der jüdischen Gemeinde an, drei Opfer sind aufgrund ihrer Behinderung von den Nazis als nicht „lebenswert“ eingestuft und im Rahmen der „Euthanasie“-Aktion in Hadamar ermordet worden.

Während der Künstler Gunter Demnig die beiden Steine auf dem Kornmarkt für die Zwillingsschwester Elisabetha und Paula Merz verlegte, stellten Schülerinnen und Schüler der Klasse 8bR der Leo-Sternberg-Schule die Opfer anhand von biografischen Daten vor, die Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker zusammen getragen hatte. Zuvor hatten die Anwesenden das „Vater unser“ gebetet und Rabbiner Shimon Großberg ein jüdisches Totengebet vorgetragen.

Elena Kopirovskaja als Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Limburg wertet die Stolpersteine als „Quantensprung in der Erinnerungskultur“. Durch die in den Straßen und auf Plätzen verlegten Steinen würde das Erinnern an die Opfer zum Bestandteil des täglichen Lebens. Zugleich solle die damit geförderte Erinnerung wachsam halten, damit sich das Leid und die Täterschaft nicht wiederholen.

Attilio Forte, Leiter der Leo-Sternberg-Schule, sicherte die weitere Unterstützung seiner Schule zu. Von Beginn an ist die Schule Partner der Stadt, sammelt Spenden, säubert verlegte Stolpersteine und widmet sich dem dunkelsten Kapitel der deutschen Vergangenheit. Ein absolutes Muss für eine Schule, die von Schülerinnen und Schüler aus 40 Herkunftsnationen besucht wird, so Forte.

Rabbiner Shimon Großberg verließt zur Erinnerung an die jüdischen Opfer ein Totengebet.
http://www.limburg.de/media/custom/2212_3990_1_g.JPG?1467975142

An der zweiten Station der Verlegung in der Bahnhofstraße überbrachte Christa Pullmann als Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Grüße von Aenne Behringer, die als Limburgerin den Holocaust überlebte und heute mit ihrer Familie in Los Angeles lebt. Im vergangenen Jahr hatte sie ihrer Heimatstadt einen Besuch abgestattet.

Bei den vorhergehenden Stolpersteinaktionen am 5. November 2013, 13. November 2014 und 15. April 2015 wurden in der Kernstadt 39, in Staffel fünf, in Eschhofen zwei und in Lindenholzhausen zwei verlegt. Von diesen Steinen erinnern 42 an jüdische Limburger, zwei an Opfer der Krankenmorde, zwei an politisch Verfolgte, einen religiös Verfolgten und einen, der nach NS-Auffassung ein Verbrechen begangen hatte.

Auch in der Nähe des Limburger Doms befindet sich nun ein Stolperstein, der an Katharina Roll erinnert. Die Frau wurde in Hadamar ermordet.

Die Stolpersteine werden vor dem letzten frei gewählten Wohnsitz im Straßenpflaster eingelassen. Die Ermittlung der Adressen und Biographien setzt umfangreiche Forschungen im Vorfeld voraus. In Limburg ist dies Aufgabe des Stadtarchivars Dr. Christoph Waldecker. Im Zuge des Projektes ergab sich die neue Erkenntnis, dass Limburg wesentlich mehr Opfer des Nationalsozialismus zu beklagen hatte als bislang angenommen. Nach derzeitigem Forschungsstand muss von etwa 115 Stolpersteinen ausgegangen werden. Diese Zahl kann sich noch nach oben verändern.

Spenden können auf das folgende städtische Konto bei der Volksbank Limburg eingezahlt werden: IBAN: DE83 5119 0000 0000 7602 18, BIC: GENODE51LIM, Kennwort: Stolpersteine. Auf Wunsch stellt der Magistrat Spendenbestätigungen aus. In diesem Fall werden die Spender gebeten, sich unter Angabe ihrer Adresse bei Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker, Stadtarchiv Limburg, zu melden. Tel: 06431/203368, Email: christoph.waldecker@stadt.limburg.de.