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Eiszeitboden am ICE Bahnhof Limburg Süd

Im Zuge der Bauarbeiten für den Limburger ICE-Bahnhof wurde im Sommer 2001 neben zahlreichen archäologischen Denkmälern auch ein Bodenprofil aus der letzten Eiszeit freigelegt, das in der vorliegenden Form als einzigartiges Dokument der Landschaftsgeschichte gelten kann. Dank der Finanzierung durch die Stadt Limburg konnte es mittels Lackabguss gesichert und nur wenige Meter vom Entstehungsort entfernt wieder zur Ausstellung gebracht werden.

In den Kaltphasen der letzten Eiszeit glich die Landschaft des Limburger Beckens in weiten Teilen jener der innerasiatischen Grassteppen. Die Hochlagen der umliegenden Mittelgebirge und Flussauen waren dagegen weitgehend vegetationsfrei. Starke Winde führten zur Auswehung des Feinbodenmaterials, das in geschützten Lagen wieder abgelagert wurde. Dieser in der unteren Hälfte des Bodenprofils erfasste hell ockergelbe Flugstaub wird als Löss bezeichnet.

Sehr auffallend ist das etwa 1 cm mächtige, grauschwarze Band im unteren Teil der Lössschichten. Es handelt sich um den sog. „Eltviller Tuff“, eine Vulkanasche, die vor ca. 20.000 Jahren eingeweht wurde. Bemerkenswert ist, dass diese dünne Schicht hier in regelmäßigen Abständen durch kleine keilförmige Ausbuchtungen in die unteren Schichten hineingreift. Dies ist auf die Bildung sog. Frostrisse und Eiskeile zurückzuführen, die sich zu ausgedehnten vieleckigen Mustern verbanden. Es entstand eine Oberfläche aus netzförmig verbundenen schmalen Vertiefungen und dazwischen liegenden Buckeln, auf die schließlich die dunkle Vulkanasche herabrieselte. Eltviller Tuff und Löss bilden so im Bereich des ICE-Bahnhofs einen sehr kontrastreichen Polygonboden (=Vieleckboden), der im horizontalen Anschnitt dem Muster eines Giraffenfells gleicht (s. Tischvitrine).

Mit dem oberen braunen Teil des Boden-Profils ist zusätzlich auch eine der zahlreich vorgefundenen archäologischen Spuren erfasst. Die leicht nach links abfallenden braunen Schichten sind als Randbereich einer großen mittelalterlichen Materialentnahmegrube zu verstehen, in die erst später wieder dunkleres Oberbodenmaterial aus der Umgebung als sog. Kolluvium eingespült wurde.
© Dr. H. Rittweger 2011

Ein Flyer zum Thema als Download

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.geopark-wlt.de