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In Caesars Schuhen durch Hessen: Erstmals römische Kastelle von Gaius Julius Caesar nachgewiesen

Auf den ersten Blick sind die Funde wenig spektakulär, archäologisch sind sei eine Sensation: Beim Brückenbau der Autobahn 3 bei Limburg haben Archäologen zwei römische Kastelle ausgegraben und dabei unter anderem Schuhnägel von römischen Soldatenschuhen gefunden, die aus der Zeit der Eroberung Galliens durch Gaius Julius Caesar stammen.

Sensationelle archäologische Erkenntnisse auf dem Greifenberg

Erstmals beim Bau der Autobahnbrücke über die Lahn bei Limburg wurden ab 1937 interessante archäologische Funde auf dem Greifenberg gemacht. Die Ausgräber Kutsch und Beck vom Landesamt für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer fanden Spuren von der Jungsteinzeit bis zur späten Keltenzeit. Darunter waren auch Überreste der mittleren Stufe der Bandkeramik-Kultur (5300-5200 v. Chr.)

Im Zuge der nun anstehenden Bauarbeiten für eine neue Brücke wurde eine Bodenprospektion vorgenommen, durch die schließlich eine sensationelle Entdeckung gemacht wurde: Es wurden gerade Linien ermittelt, die den Archäologen sagten, dass sich hier einmal zwei römische Lager befunden haben mussten. Kein geringerer als der römische Feldherr Gaius Julius Caesar hatte in Limburg Station gemacht. 

Im Vierten Buch der „Commentarii de Bello Gallico“ beschreibt Caesar seinen ersten Rheinübergang 55 v. Chr: „Nach dem Ende des Krieges mit den German hielt Caesar es aus vielen Gründen für nötig, den Rhein zu überschreiten …Er glaubte jedoch, es sei nicht sicher genug, dies mit Schiffen durchzuführen, auch meinte er, es entspreche nicht dem Ansehen, das er und das römische Volk genossen …“ Ausführlich wird die Technik des Brückenbaus beschrieben. „Zehn Tage, nachdem man begonnen hatte, das Holz heranzuschaffen, war das ganze Werk vollendet und das Heer zog hinüber. … Caesar hielt sich nur wenige Tage in (dem) Gebiet auf, um alle Dörfer und Gehöfte in Brand zu stecken und das Getreide auf den Feldern zu schneiden, ehe er sich in das Land der Ubier zurückzog. … Daher glaubte er, nach einem Aufenthalt von insgesamt 18 Tagen auf dem jenseitigen Rheinufer sei genug für das Ansehen und die politischen Interessen des römischen Volkes geschehen. Er zog sich wieder nach Gallien zurück und ließ die Brücke abreißen.“ Während der 18 Tage im rechtsrheinischen Gebiet kam Caesar mit seinen Truppen an die Lahn und ließ auf dem Greifenberg ein Marschlager errichten. Dies wurde erst durch die jüngsten archäologischen Untersuchungen festgestellt. Bei den Grabungen in den 1930-er Jahren wurde es nicht erkannt. Es war für die römischen Soldaten üblich, dass sie nach einem Tagesmarsch von rund 25 Kilometer, beladen mit bis zu 50 Kilo Gepäck pro Mann, ein Lager mit Wall und Graben errichteten, in das sie sich für die Nacht zurückzogen. Wachen patrouillierten auf dem Wall, um unliebsame Überraschungen im Feindesland zu vermeiden. Der festgestellte Graben war durchschnittlich 2 Meter breit und bis zu 1,80 Meter tief. Die Grabenwände waren sehr steil. Es musste also sehr viel Erde bewegt werden – nach einem anstrengenden Tagesmarsch. Das römische Heer zeigte hier eine bemerkenswerte Effizienz. 53 v. Chr. überschritt Caesar ein weiteres Mal den Rhein. Wie schon zwei Jahre zuvor ließ er eine Brücke zwischen Koblenz und Andernach errichten. Sein Aufenthalt im rechtsrheinischen Gebiet dauerte ebenfalls 18 Tage, dann hatte er seine Ziele dort erreicht. Beim Rückzug ließ er einen Teil der Brücke stehen, anders als 55. v. Chr. Damals ließ er sie komplett abreißen.

Wieso lässt sich so genau sagen, dass Caesar in Limburg war?

Die Archäologen fanden mehrere Schuhnägel, die aufgrund ihrer nur kurzzeitigen Verwendung eine genaue Datierung zulassen. Zusammen mit den literarischen Erkenntnissen aus den „Commentarii de Bello Gallico“ ergibt sich so ein schlüssiges Bild. Es wurden durch die Bodenprospektion und die nachfolgenden Ausgrabungen aber weitere wertvolle Erkenntnisse gewonnen. Der Greifenberg hatte schon vor der Ankunft der Römer eine mehrere tausend Jahre währende Siedlungsgeschichte. Die Funde wurden dokumentiert und gesichert. Für die Geschichte Limburgs und der Region wurden so sehr wertvolle neue Erkenntnisse gewonnen.

Jahrbuch "hessenArchäologie 2012"

Ausführlich beschrieben werden die neuen archäologischen Erkenntnisse im jüngsten Band des Jahrbuches „hessenArchäologie 2012“, herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege. Darin enthalten sind u.a. folgende Beiträge:

  • Jessica Meyer, Sabine Schade-Lindig: Sicheres Wohnen zur Jungsteinzeit – Fallgruben pfählen ungebetene Gäste. Brückenneubau der A3 bei Limburg-Eschhofen – vielfältige Archäologie nach 55 Jahren, S. 29-33;
  • Angela Kreuz: Nur Wasser und Brot? – Michelsbergzeitliche Pflanzenreste von Limburg-Eschhofen. Archäobotanische Untersuchung zu neolithischen Siedlungsstellen, S. 33-35;
  • Jessica Meyer, Sabine Schade-Lindig: Bronzezeitliche Kreisgräben – versteckt in den Pixeln der Geophysik. Grabhügelreste an der Lahntalbrücke A3 bei Limburg-Eschhofen, S. 54-59;
  • Jessica Meyer, Sabine Schade-Lindig: Spätkeltische Siedler hinterlassen Befunde mit Spekulationspotenzial. Eisenzeitrelikte im Bereich der Lahntalbrücke A3 bei Limburg-Eschhofen, S. 84-88;
  • Egon Schallmayer, Sabine Schade-Lindig, Jessica Meyer: Mit den Kelten kommen die Römer – Militäranlagen an der Lahn bei Limburg-Eschhofen. Frührömische Militärlager an der A3 im Landkreis Limburg-Weilburg, S. 95-101;
  • Jonas Enzmann, Guido Schnell: Nach dem Marsch und vor dem Essen – Schanzarbeiten nicht vergessen. Experimente zur Anlage eines römischen Spitzgrabens auf Basis des Lagers I bei Limburg-Eschhofen, S. 101-104;

„hessenArchäologie 2012“ ist im Buchhandel zum Preis von 24,90 Euro erhältlich.