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Vorbild für Wohnungsbau

1800 neue Wohnungen werden in Limburg bis zum Jahr 2030 benötigt. Das besagt das vom Kreis und Stadt gemeinsam in Auftrag gegebene Wohnraumentwicklungskonzept. Limburg ist danach eine Stadt mit Bevölkerungswachstum und hebt sich damit von der regionalen Entwicklung ab. Auch im pfälzischen Landau hatte eine Wohnraumanalyse zu einem ähnlichen Ergebnis geführt. 2500 Wohnungen waren dort als Bedarf angegeben worden. Die Stadt befindet sich in der Umsetzung. Lernfeld für die Limburger Kommunalpolitik und Verwaltung.

Neue Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne. Die Gebäude bieten sowohl gewerbliche Flächen als auch Wohnungen an. Unter dem freien Platz befindet sich eine Tiefgarage.

Der Regen fiel, der Wind wehte heftig, die Temperatur lag knapp über dem Gefrierpunkt. Eine Vergnügungsreise in die Pfalz war das keineswegs für die Vertreterinnen und Vertreter der Limburger Stadtverordnetenversammlung sowie der Verwaltung. Über 20 Limburger, angeführt von Bürgermeister Dr. Marius Hahn, hatten sich auf den Weg in die rund 47000 Einwohner zählende Stadt gemacht, um den interkommunalen Erfahrungsaustausch zu suchen. Wie lassen sich neue Wohnbaugebiete entwickeln, wie kann die Stadt Einfluss auf Gestaltung und Zusammensetzung geben, wenn zum Beispiel Familien nicht in der Lage sind, auf dem freien Markt zu mieten?

Die Stadt Landau ist neue Wege gegangen und hat dabei auch Konflikte mit übergeordneten Behörden nicht gescheut, wie Oberbürgermeister Thomas Hirsch bei seiner Begrüßung erwähnte. Die Stadt hat zum Beispiel zusammen mit der Sparkasse eine Wohnungsbaugesellschaft ins Leben gerufen, in die sie ihre bereits vorhandenen 250 Wohnungen eingebracht hat. Mit dem Geld der Sparkasse soll die Gesellschaft auf 500 Wohnungen wachsen. In Landau hat die Politik um den richtigen Weg kontrovers gerungen. Heute weist die Stadt zum Beispiel nur dann Bauland aus, wenn ihr die Flächen zu 100 Prozent gehören.

Die Stadt macht Vorgaben

Die Limburger Delegation auf dem Weg durch das ehemalige Kasernengelände in Landau. Im Hintergrund ein historisches Gebäude, das als Übergang und Anschluss an die Innenstadt dient.

Die Stadt in der Südpfalz mit Universität hat eine langjährige Geschichte als militärischer Standort. Drei große Areale sind mit der Wiedervereinigung und dem Abzug des französischen Militärs frei geworden, diese Konversionsflächen galt es zu nutzen und in die städtische Entwicklung einzubinden. Zwei Areale haben sich bereits in ein Gewerbegebiet und ein Wohngebiet gewandelt, nun steht die dritte Fläche an. Das Areal, das im Jahr 2015 noch der Landesgartenschau diente, kann dabei auf historische Bauten zurückgreifen, die auch künftig genutzt werden sollen.

Daran wird schon deutlich, dass das Landauer Modell nicht 1:1 auf Limburg übertragen werden kann. Aber die Ziele der Bebauung sind sehr ähnlich, wie Limburgs Bürgermeister Dr. Marius Hahn feststellte. Es gilt bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, die Preisspirale zu unterbrechen und gleichzeitig städtebauliche Akzente zu setzen. Dies ist möglich, wie Roland Schneider als Leiter der Landauer Stadtplanung verdeutlichte. Wichtig sei dabei, dass die Stadt die Planungshoheit in der Hand halte, das werde über den Besitz der Grundstücke ermöglicht. Zudem gibt es klare Vorgaben hinsichtlich der Gestaltung der Gebäude durch eine vom Stadtrat beschlossene Gestaltungssatzung beziehungsweise Gestaltungsfibel.

Aufwendig und erfolgreich

Neue Wohngebäude vor einem alten Trakt der ehemaligen Kaserne. Auf dem Gelände der ehemaligen französischen Kaserne gehen alte und neue Bausubstanz interessante Kombinationen ein.

Es gibt weitere Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. Schneider stellte dabei Konzeptvergaben als wichtiges Kriterium vor. Die Stadt macht klare Vorgaben: Zum Beispiel eine gewerbliche Nutzung im Erdgeschoss sowie eine Wohnnutzung für die darüber liegenden Geschosse. Dabei kann auch vorgegeben werden, wie hoch der Anteil der Wohnungen mit einem Belegungsrecht für die Stadt sein soll. Das ist auf dem Areal der ehemaligen Kaserne sehr unterschiedlich. Für die verschiedenen Konzepte werden dann Investoren gesucht. „Wir haben meist fünf bis sechs Interessenten“, machte Schneider den Besuchern aus Limburg deutlich. Ein Eckgrundstück, das mit einer sehr hohen Quote von über 50 Prozent mit Wohnungen mit Belegungsrecht bebaut werden soll, hat die Stadt quasi zum Bodenrichtwert weitergeben.

Neue Wege ist Landau auch bei der Suche nach Partnern beziehungsweise Investoren gegangen, die zwischen vier und 20 Wohneinheiten errichten. Neben der neu gegründeten Wohnungsbaugesellschaft werden Grundstücke zum Beispiel auch an Baugruppen oder Baugemeinschaften vergeben. In diesen finden sich private Bauwillige zusammen, die die Wohnungen anschließend auch selbst nutzen. Die Stadt ist natürlich auch aktiv und schafft die entsprechende Infrastruktur durch Straßen, Plätze, aber auch durch Einrichtungen wie Kindertagesstätten. Ein Teil der von der Landesgartenschau genutzten Fläche wird zum Beispiel als Park erhalten bleiben.

Limburg hat es in der Hand

Was an Nahversorgung benötigt wird, das wird ebenfalls durch die Stadt festgelegt und in die Rahmenbedingungen mit aufgenommen und durch Investoren verwirklicht. Zu den klaren Vorgaben gehören zum Beispiel auch die Tiefgaragen für die einzelnen Wohneinheiten. „Wir haben viele neue Erfahrungen gemacht und ein zeitintensives und sehr aufwendiges Verfahren gewählt“, machte Schneider deutlich. Aber die Erfahrungen sind insgesamt so positiv, dass auch bei den kommenden Baugebieten mit Konzeptvergaben gearbeitet werden soll und dort auch Baugruppen und -gemeinschaften berücksichtigt werden.

„Wir müssen neue Wege gehen, um den Bedarf an Wohnungen zu decken. Es gilt die Chancen, die sich Limburg bieten, auch zu nutzen“, sagte Bürgermeister Hahn auf der Rückfahrt nach Limburg. Nach seiner Auffassung hat es die Stadt Limburg selbst in der Hand, wie schnell und in welchem Umfang sie wachsen will. Zu verhindern sei ein auf jeden Fall ein unkontrollierbares Wachstum. Übrigens haben sich auch die Landauer zuvor in anderen Städten informiert, wie sich solche Projekte umsetzen lassen. Im Sommer waren sie zum interkommunalen Austausch in Tübingen.

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