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30.11.2017

Erste Hilfe für den Limburger Schafsberg

Ein dichtes Wegenetz durchzieht den Schafsberg, der zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts teilweise parkähnlich angelegt wurde. Die ökologische Vielfalt ist ebenso in Gefahr wie Sichtbeziehungen und historische Spuren der parkähnlichen Anlage.
Stadt Limburg
Die Vielfalt der Natur steht vielfach auf der Kippe. Das ist auch auf dem Limburger Schafsberg der Fall. Eine Vielfalt aus Alleen, unterschiedlichen Flächen und Bewuchs, Sichtachsen und historischen Spuren ist in Gefahr. Eine Vielfalt, die menschlichem Wirken zu verdanken ist. Eingriffe sind notwendig, um den Schafsberg als Naherholungsgebiet, Spielfläche, Ort des Lernens und als Lebensraum zu erhalten.

„Wer nicht da ist, der verpasst etwas“, zeigte sich Bürgermeister Dr. Marius Hahn zu Beginn der Bürgerinformationsveranstaltung zum Freiraumkonzept für den Schafsberg enttäuscht von der Zahl der Besucher, die den Weg in den Sitzungssaal des Rathauses gefunden hatten. Zumindest die Schafsbergwacht war nicht zu übersehen und ließ sich von Landschaftsarchitekt Ralf Habermann erläutern, was notwendig ist, um den „tollen Landschaftsraum Schafsberg“ zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Wenn Habermann über den Schafsberg spricht, dann schwingt da Begeisterung mit. „So etwas hat nicht jeder“, machte er deutlich. Der Schafsberg sei quasi ein Schatz für die Stadt und ihre Bürger. Aber eben auch ein „Raum mit Defiziten“ und der vielfältige Aufgaben zu erfüllen habe: Freizeitnutzung, Naherholung, Lebensraum für Tiere, Bildungsraum, Standort für eine vielfältige Pflanzenwelt und nicht zuletzt historisches Zeugnis eines bürgerschaftlichen Engagements. Denn dass es heute dort Alleen gibt sowie Pflanzen und Bäume, gestaltete Räume und Plätze, das sei Ergebnis menschlichen Tuns zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als sich Limburger der überwiegend kahlen Fläche annahmen.

„Der Wald schreitet voran“, machte Habermann deutlich. Und das heißt im Klartext: Die Buche weitet sich aus und verdrängt andere Bäume und Pflanzen, Gestaltungselemente und Sichtbeziehungen gehen verloren und vieles mehr. Die Zeit drängt, Eingriffe sind notwendig, um das Naherholungsangebot zu verbessern, die noch vorhandenen gartenhistorisch bedeutsamen Strukturen wiederzubeleben sowie eine wertvolle Vegetation zu erhalten und Biotope zu fördern.

Rund zwei Millionen Euro umfasst das Gesamtpaket an Kosten, das Habermann vorstellte. Dazu gehört ein Wegekonzept (Hauptwege stärken und ausbauen, Nebenwege reduzieren und ganz stilllegen), die Anlage eines sogenannten Naherholungsbands (ermöglicht sportliche Aktivitäten und konzentriert die Naherholung), die Schaffung von Lichträumen, der aktive Schutz der Alleen, Erhaltung der Solitärgehölze und noch einiges mehr.

Die Hoffnung, dass es dafür Zuschüsse vom Land gibt, hat sich für die Stadt zunächst einmal zerschlagen, teilte Bürgermeister Hahn mit. Er hält es jedoch für notwendig, das Projekt Schafsberg anzupacken, die Zeit dränge. Und was mit dem Freiraumentwicklungskonzept vorgeschlagen werden, lasse sich in Etappen umsetzen, alles auf einmal gehe nicht. Dabei setzen Hahn und Habermann auch auf die Zusammenarbeit mit dem Forst. Wenn die Zielvorgabe klar sei, wie am Schafsberg vorgegangen und welche Ziele kurz-, mittel- und langfristig verfolgt werden solle, lasse sich der Forst gut mit einbinden.

Habermann erläuterte das am Beispiel der Lindenallee. Die Allee werde durch den im Hang über ihr stehenden Wald bedroht. Wenn es also in den nächsten Jahren gelinge, dort durch eine gezielte Entnahme von Bäumen Luft zu schaffen, könnten anschließend die bestehenden Lücken in der Allee durch Neuanpflanzungen geschlossen werden.

Nach Einschätzung von Habermann steht in der ersten Phase (Jahre 1 bis 5) neben der Sicherung der Alleen vor allem die Verbesserung des Wegsystem an, die Schaffung des Naherholungsbands, die Wiederherstellung von Sichtbeziehung und Erhaltung der Solitärgehölze. Und es sei auch wichtig, noch Grundlagenuntersuchungen zu machen. Was es am Schafsberg alles gibt, sei noch zu wenig bekannt.

Unter den anwesenden Bürgern fand das Konzept viel Zustimmung. Allerdings gab es Zweifel, ob die Stadt die notwendigen Gelder zur Verfügung stelle und es den langen Atem gibt, der für eine Umsetzung notwendig ist. Zudem gab es die Forderung, über einen Bebauungsplan den „grünen“ Schafsberg zu sichern. Nach Einschätzung des Landschaftsarchitekten ist ein Bebauungsplan jedoch nicht das geeignete Mittel. Er empfahl, das Freiraumentwicklungskonzept als Satzung zu verabschieden. Dies entfalte deutlich mehr Wirkung als ein Bebauungsplan und bedeute durch seine Selbstverpflichtung auch mehr Sicherheit für den „grünen“ Schafsberg.

Klares Ziel ist es nach Angaben von Bürgermeister Dr. Hahn, den „grünen“ Schafsberg auf Dauer zu sichern und keine weiteren baulichen Erweiterung mehr zuzulassen. Einzige Ausnahme ist ein möglicher Schrägaufzug, der Besucherinnen und Besucher von Patienten des Krankenhauses ermöglichen soll, von einem Parkplatz in der Ste.-Foy-Straße auf den Schafsberg zu gelangen. Annelie Bopp-Simon, Leiterin des Stadtplanungsamts, stellte dazu einige technische Aufzugslösungen vor, die bereits im Betrieb sind.

Schafsberg-Konzept (PDF)

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