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Zwischen Miniermotte und Verkehrssicherheit

Der Boden ist weich und feucht, eine dicke Blätterschicht verteilt sich zwischen den Bäumen, die ihr Blätterkleid fast gänzlich verloren haben. Normal ist das für den Spätherbst, „aber zu dieser Zeit des Jahres ist das untypisch“, sagt Revierförsterin Nadine Ströbele, die neben dem Limburger Wald auch den der Gemeinde Villmar betreut. Die Miniermotte ist ein Schädling und setzt den Kastanien in der Allee auf dem Schafsberg derart zu, dass spätherbstliche Zustände herrschen. Nadine Ströbele hält einen Ast hoch und zeigt den Mitgliedern des Magistrats, was die Miniermotte anrichtet: Sie frisst sich durch die Adern der Blätter, die dadurch nicht mehr versorgt werden, eine bräunliche Färbung erhalten und schon ab dem Sommer zu Boden fallen.

Auf den Spuren der Miniermotte: Revierförsterin Nadine Ströbele erläutert den Mitglieder den Magistrats mit Hilfe eines befallenen Kastanienblatts, wie der Schädling arbeitet.

Tritt der verfrühte Blätterabwurf an mehreren Jahren hintereinander auf, wird die Nährstoffaufnahme der Bäume nachhaltig gestört und sie können erheblich geschädigt werden. Mit der chemischen Keule sind die Schädlinge nicht zu bekämpfen, machten Ströbele und Johannes Maassen als Leiter des zuständigen Forstamts in Weilmünster auf Nachfrage deutlich. Und die Einschätzung des Ersten Stadtrats Michael Stanke, Laub im Wald einzusammeln, sei recht sinnlos, bestätigten die Fachleute. Auf natürliche Art und Weise soll der Motte Einhalt geboten werden. Zahlreiche Nistkästen für Vögel und Fledermäuse, die an den Bäumen hängen, sind ein deutlich sichtbares Zeichen dieses Versuchs.

Die Kastanienallee war nur ein Thema beim Waldbegang des Magistrats, es ging auch um Fragen der Sicherheit, um notwendige Eingriffe in den Bestand und darum, wie sich die Vorstellungen des Forstamts mit dem bereits der Politik vorgestellten Freiraumentwicklungskonzept für den Schafsberg verbinden lassen. Auf eine notwendige Zusammenarbeit legt Bürgermeister Dr. Marius Hahn großen Wert. Ziel dieses Konzepts ist es, die Attraktivität des Schafsbergs zu erhöhen, gleichzeitig wertvolle Bereiche des Waldes zu schützen.

Die Vertreter/innen der Stadt und die Repräsentanten der Forstwirtschaft trafen sich an der Tilemannschule, schritten der Kastanienallee entlang und nahmen dann den Weg in Richtung Hang zum Krankenhaus auf. Immer wieder betonte Maassen, wie nah sich der Schafsbergwald an einer „natürlichen Waldgesellschaft“ befinde. 80 Prozent Laub- und wenig Nadelholz. Eingriffe sind jedoch notwendig, daran ließ Maassen keinen Zweifel. Durchforstungen seien notwendig, um Entfaltungs- und Wachstumsmöglichkeiten zu schaffen. Im Jahr 2014 war die letzte Durchforstung, 2019 soll die nächste Folgen, kündigte die Revierförsterin an. 70 Festmeter Holz soll der Einschlag umfassen.

Sicherheit im Wald

Der Schafsberg dient vor allem der Naherholung, womit besondere Anforderungen an die Sicherheit verbunden sind. In den vergangenen Jahren hat es dabei einige Änderungen gegeben hat, wie Maassen erklärte. Heute werde den Nutzern des Waldes zugemutet, die Frage der Sicherheit auf den Wegen selbst einzuschätzen. Anders sieht es dort aus, wo es einen längeren Aufenthalt gibt, also zum Beispiel rund um Bänke oder Schautafeln. Dort gilt für den Forst eine höhere Verkehrssicherungspflicht.

Das ist auch bei den Stellen der Fall, die zum Beispiel häufig von Kindergärten oder Schulen aufgesucht werden. „Der Forst kann hier keine ständigen Kontrollen vornehmen“, so Nadine Ströbele. Um die Frage der rechtlichen Verantwortung zu regeln, sollen daher Nutzungsverträge abgeschlossen werden. „Solche Verträge hat das Forstamt schon in anderen Bereichen abgeschlossen“, bestätigte Maassen.

Das Thema Sicherheit stand auch im Fokus, als im Sommer vergangenen Jahres zahlreiche Bäume im Bereich der Beethovenstraße gefällt werden mussten. Nach starken Regenfällen war ihr Wurzelwerk ausgeschwemmt und die Bäume, die auf dem felsigen Untergrund nur relativ flache Wurzeln ausgebildet hatten, drohten umzustürzen und dabei Häuser und damit auch Menschen zu gefährden. Bei der akut ausgehenden Gefahr habe sofort gehandelt werden müssen, machte Nadine Ströbele an der Station in der Beethovenstraße deutlich.

Gefahr vermeiden

Die Auswirkungen des Eingriffs sind natürlich noch deutlich zu erkennen: Der Verlust der Bäume ist nicht zu übersehen, die Fläche will nicht so recht in die Umgebung passen. Die neu gesetzten Bäume und Sträucher entwickeln sich nach Angaben von Nadine Ströbele jedoch prächtig. Und selbst den hochstehenden Brennnesseln gewinnt die Försterin viel Positives ab, sind sie doch Lebensraum für viele Insekten. Sollte der Brennnesselbestand Überhand nehmen, könnte dieser jedoch gestutzt werden, versprach sie. Ziel in der Beethovenstraße, in der noch einige wenige Bäume aufgrund der Verkehrssicherungspflicht weichen müssen, ist es, einen gestuften Übergang von der Besiedlung zum Baumbestand zu erreichen, von dem auch in vielen Jahren keine Gefahr ausgehen soll.

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