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Limburg im Fluss der Zeit: Schlaglichter aus 1100 Jahren Stadtgeschichte, 2010, 29 Euro, ISBN: 978-3936162080 Inhalt 
Limburg im Fluss der Zeit 2. Vorträge zur Stadtgeschichte, 2013, 19 Euro, ISBN: 978-3936162-10-3 

Leseproben Limburg im Fluss der Zeit 2. Vorträge zur Stadtgeschichte

Ingrid Heidrich, Die Konradiner und Limburg (S. 1-28)
Mit seiner Urkunde vom 10. Februar 910 hatte der letzte ostfränkische Karolinger Ludwig das Kind den Hof (Ober-)Brechen im Lahngau mit Zubehör an den Lahngaugrafen Konrad, den Sohn des 902 gefallenen Eberhard also Konrad Kurzbold, zur Ausstattung seiner basilica geschenkt, die er auf dem Berg, der „Lintburc“ heißt, erbauen wollte. Diese Urkunde besagt also, dass Konrad Kurzbold den Plan zur Gründung einer geistlichen Einrichtung auf dem Limburger Berg schon früher gefasst hatte. Der geschenkte Königshof sollte als Teil der materiellen Grundausstattung für den oder die in Limburg zu etablierenden Kleriker dienen. Das Georgs-Patrozinium für die Limburger ecclesia nennt zuerst König Ottos Urkunde vom April 940, mit der er Gut in Zeuzheim im Lahngau aus dem Besitz des (939 gefallenen) Grafen Eberhard an Konrad Kurzbold zum Unterhalt der Limburger Klerikergemeinschaft vergab. Aus einer Königsurkunde Ottos I. von 942 , die allerdings von zweifelhafter Echtheit ist, erfahren wir, dass Konrad Kurzbold innerhalb seiner Burg (castellum) Limburg, die hier als sein Eigengut bezeichnet wird (sue proprietatis) ein monasterium erbaut habe, das dem Hl. Georg geweiht war und eine Klerikergemeinschaft (congregatio) beherbergte.

Alexander Thon, „… und bemannte das Schloß mit trefflichen Rittern und Knechten.“ Burgen in und um Limburg an der Lahn (S. 29-104)
Zahlreiche weitere Burgmannen und insbesondere die Einrichtung einer umfassend dotierten Kapelle St. Petrus noch vor 1298 belegen das deutliche Interesse und Engagement der Herren von (Isenburg-)Limburg an ihrer Anlage in den folgenden Jahrzehnten. Mit dem Verkauf der Hälfte (!) von Burg und Herrschaft durch Gerlach II. an Erzbischof Balduin von Trier im Jahr 1344 für 28.000 Gulden wurde jedoch ein Eigentumswechsel auf der Limburg eingeleitet, der sich über Jahrzehnte hinziehen sollte. Ungeachtet der jedenfalls im späten 14. Jahrhundert bestehenden, bereits geschilderten Eigentumskonstellation mit Drittelanteilen (Reich, Mainz, Hessen) sollte es dem Erzstift Trier unter Erzbischof Kuno/Konrad II. gelingen, seinen immer stärker werdenden Zugriff auf Limburg durch ein Pauschalzugeständnis Kaiser Karls IV., das dieser neben anderen Zusagen für die trierische Stimme bei der geplanten Königswahl seines Sohnes Wenzel verbrieft hatte, zu legitimieren. Danach gingen 1374 alle Eigentumsrechte des Reichs an Herrschaft, Burg und Stadt Limburg zukünftig als unmittelbares Reichslehen an das Erzstift Trier und von diesem wiederum als Afterlehen an die Herren von Limburg. Diesen Anteil, der tatsächlich nur ein Drittel an den genannten Objekten umfasste, nahm Johann III. von Limburg dementsprechend den genannten Vorgaben 1380 von Erzbischof Kuno/Konrad II. von Trier zu Lehen und erhielt im Gegenzug die Zusicherung einer möglichen Wiedereinlösung für 30.000 Gulden nach sechs Jahren.

Klaus Eiler, Limburg an der Schwelle zur Neuzeit (S. 105-126)
Um die Attraktivität der Stadt zu erhöhen, statteten Balduin und seine Nachfolger Limburg mit Privilegien aus und förderten die zentralörtlichen Funktionen als Sitz eines Gerichtes und Amtes. In den Privilegien manifestierte sich der praktische Nutzen für die Bürger: Sie durften Handel treiben und ein Handwerk ausüben und profitierten von einem eigenen Gerichtsstand. Die Privilegien bildeten die juristische Grundlage für die wirtschaftliche Prosperität der Stadt und versetzten sie in die Lage, Einnahmen aus Gebühren und Marktzöllen zu erzielen. Doch mit den Rechten waren den Bürgern auch Pflichten auferlegt. Die Bürger waren für Sicherheit und Ordnung in der Stadt und ihrer Gemarkung selbst verantwortlich. Sie trugen die Lasten der Stadtverteidigung und mussten in eigener Regie Funktionen übernehmen, die man heute der kommunalen Selbstverwaltung und der Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben zuschreiben würde. Diese Sonderstellung gegenüber den Landbewohnern ließ aber auch das bürgerliche Selbstbewusstsein wachsen. Schließlich lag Limburg damals an der Schnittlinie der politischen Interessensphären der Kurfürsten von Trier, der Landgrafen von Hessen und der Wetterauer Grafen, zu denen u.a. die Grafen von Nassau zählten.

Christoph Waldecker, Das jüdische Leben in Limburg vor 1933 (S. 127-153)
Für das 19. Jahrhundert ergibt sich folgendes Bild: Juden und Christen in Limburg lebten mit- und nebeneinander in einem Klima gegenseitiger Akzeptanz und Toleranz. Dies zeigt sich an kleinen Ereignissen: Wurde ein neuer Bischof ins Amt eingeführt, beteiligten sich an den Festzügen nicht nur die katholischen Einwohner, sondern ebenso die evangelischen und jüdischen, da es ein Fest für die ganze Stadt war. Es wurde nicht nur auf christliche, sondern auch auf jüdische Feiertage Rücksicht genommen, so etwa 1864, als der Verein Nassauischer Land- und Forstwirte erstmals eine Ausstellung und Prämierung von Mastvieh in der Stadt durchführte. Eigentlich sollte dies am 27. April stattfinden, wurde aber wegen des jüdischen Feiertages auf den 26. vorgezogen. Allerdings gab es auch eigene Veranstaltungen und Vereine der jüdischen Bevölkerung. So fanden regelmäßig Israelische Festbälle statt. Einmal, 1880, kam es dabei im Hill’schen Saal zu einem Anschlag: Es war Pfeffer ausgestreut worden, der zu heftigem Niesen, Husten und Augenreizungen der Gäste führte – übrigens nicht nur Juden, sondern auch Christen.

Mark A. Scheibe, Der berüchtigte Räuber Johannes Bückler, genannt Schinderhannes, in der Region Limburg/Lahn (1800-1802) (S. 155-208)
„Man hat wahrgenommen, daß von der Räuberbande zwei starke Kerls das Kommando geführt haben, einer im Hause, der andere auf der Straße. Während jener den Raub ausgeführt, hat dieser mit seinen Leuten ein fürchterliches Geschrei abgehalten, beständig französisch kommandiert und ohne Aufhören nach den Zugängen scharf feuern lassen. Anfänglich haben die Einwohner geglaubt, es seien plündernde Franzosen, und anstatt dem Posthalter zur Hülfe zu eilen, haben sie ihre besten Sachen zu verbergen gesucht. Sobald sie aber ihren Irrtum gemerkt, haben sie sofort mit der Glocke gestürmt und Anstalten zur Attaquierung der Räuber getroffen. Als einer auf sie gefeuert, haben sie nicht gewagt, ihr Vorhaben völlig auszuführen, sondern haben sich mit demjenigen, was sie hatten, auf und davon gemacht. Sie waren die Frankfurter Straße hinuntergekommen und haben diese auch wieder zu ihrem Rückzug benutzt. Soviel sich vorläufig ermitteln ließ, bestehen die geraubten Sachen in einer Sackuhr aus Mannheimer Gold, drei derselben von wirklichem Gold, etwa 13 bis 14 Louisdor, verschiedenen Kleidungsstücken, besonders in Leinzeug.“

Christoph Waldecker, Limburg im langen 19. Jahrhundert (S. 209-235)
Der Anschluss Limburgs an das Eisenbahnnetz trug mit zur positiven Entwicklung der Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei. Seit den 1840-er Jahren wurden zahlreiche Eisenbahnprojekte vorangetrieben. Aktien der Unternehmen waren die Spekulationspapiere dieser Zeit. Als sich zeigte, dass die tatsächlichen Baukosten höher waren als angenommen und einige Unternehmen Insolvenz anmelden mussten, entstand aus einer Kettenreaktion 1857 eine Finanzkrise. Die Nassauische Landesregierung entzog der mit dem Bau der Lahntalbahn beauftragten Wiesbadener Gesellschaft die Konzession und beschloss, das Projekt in eigener Regie weiterzuführen. So kam das Herzogtum Nassau zu seiner Staatsbahn. Die technische Leitung des Projektes übernahm der in Limburg geborene Ingenieur Moritz Hilf. Am 26. Juni 1862 fuhr die erste Lokomotive in den Bahnhof Limburg ein, wenige Tage später wird der fahrplanmäßige Verkehr aufgenommen. Wenige Monate später ist die Strecke bis Gießen fertig, wo dann ein Anschluss besteht an die Trasse Gießen-Siegen-Köln.

Christoph Waldecker, Die Limburger Bürgermeister im ersten Drittel des 20. Jahrhundert. Joseph Kauter, Philipp Haerten, Dr. Markus Krüsmann (S. 237-300)
Ein Ereignis vom Juli 1922 zeigt, dass der Bürgermeister und die Verwaltung offenbar noch nicht in der Weimarer Republik angekommen waren, denn im Rathaus hingen noch immer Bilder Kaiser Wilhelms II. Am 4. Juli 1922 fand eine Demonstration der sozialistischen Parteien und Gewerkschaften auf dem Neumarkt statt. Eine der erhobenen Forderungen war die „Republikanisierung des Staates“, damit verbunden ein Ende aller noch vorhandenen kaiserlichen Hoheitszeichen. Ein anschließender Demonstrationszug führte zum Rathaus, wo es zum „Bildersturm“ kam. Eine Abordnung der Demonstranten ging ins Rathaus und verlangte die Entfernung der Kaiserbilder. Sie erhielten die Auskunft, diese seien am Morgen abgehängt worden. Dennoch wurde ihre Auslieferung verlangt, und schließlich wurden die Kaiserbilder von der Menge zerrissen. Interessant an diesem Vorkommnis ist vor allem, dass mehr als drei Jahre nach der Abdankung des Kaisers und der Ausrufung der Republik noch immer Porträts des Monarchen im Rathaus hingen. Dies deutet auf eine monarchistische Gesinnung der Beamten, vor allem aber des Bürgermeisters, hin. Erst unter dem erwarteten Ansturm der Demonstranten wurden die Bilder entfernt, nicht aus eigenem Antrieb.

Adolf Morlang, „Er hat sich nur … korrekt und entgegenkommend benommen.“ Anmerkungen zu Willi Hollenders, Limburger Bürgermeister 1933-1945 (S. 301-334)
Anfang 1934 ließ Hollenders über die deutschen Botschaften in Paris und Den Haag Nachforschungen anstellen über zwei aus Limburg geflohene Juden, nämlich Siegfried Saalfeld und Alfred Hirsch. Letzterer, geb. am 14. September 1900, kehrte 1936 zurück, wurde verhaftet und auf Anordnung der Gestapo in Berlin vom 15. Juni 1936 mit nächstem Gefangenensammeltransport in das Schulungslager (sic!) Dachau überführt. Die Gestapodienststelle in Frankfurt informierte am 25. Juni 1936 darüber den Landrat in Limburg, der hiervon der Ortspolizeibehörde Limburg (also dem Bürgermeister) Kenntnis zu geben hatte. Genaueres über den Verbleib von Saalfeld und das Schicksal von Hirsch wissen wir nicht. Im Laufe des Jahres 1934 bis zum Juni 1936 taucht Hollenders’ Name öfter auf im Zusammenhang mit dem Fall des jüdischen Metzgermeisters und Gastwirts Albert Metzger, dessen Haus (Werner-Senger-Straße 21/Ecke Diezer Straße) von den Nazis als Hochburg des Limburger Judentums bezeichnet wurde. Durch polizeiliche Kontrollen, verschiedene Bauauflagen und Schikanen setzte die Stadt der Familie Metzger so zu, dass sie schließlich Limburg verließ, zuletzt die alten Metzgers im Januar 1939.

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