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Integrationskonzept

Limburg ist eine vielfältige Stadt, in der Menschen aus über einhundert Nationen leben. Diese Vielfalt ist eine Bereicherung, wenn Integration gelingt. Die Anzahl von Beispielen gelungener Integration ist groß, doch Integration ist kein Selbstläufer, sie muss gestaltet, gefördert und gepflegt werden und sie darf auch erwartet werden.

Die Verantwortung für gelingende Integration liegt bei uns allen. Die Sicherung des Integrationsprozesses durch tragfähige Strukturen ist unverzichtbar. Deshalb haben wir in Limburg nun ein Integrationskonzept entwickelt.

Grundlage dieses Integrationskonzeptes sind Handlungsempfehlungen des hessischen Ministeriums der Justiz, für Integration und Europa, die nach dem Landesprogramm Modellregionen Integration entwickelt wurden. Das Ministerium gibt für Kommunen, die das Thema Integration auf ihre politische Agenda setzen möchten, folgende Empfehlungen ab:

  1. „Integration ist Chefsache“ sollte ein handlungsleitendes Prinzip für jeden Kreis und jede Kommune sein.
  2. Vor Beginn der Konzeptentwicklung sollte eine Bestandsaufnahme und Analyse der Situation vor Ort erfolgen. Die Konzeptentwicklung bei der Stadt Limburg wird beim Amt für soziale Betreuung erfolgen. Eventuell sollte ein/e hauptamtliche/r Integrationsbeauftrage/r (befristet) eingestellt werden.
  3. Das Ministerium begreift Integration als Querschnittsaufgabe und als interkulturelle Öffnung der Verwaltung. Hier wird empfohlen, Seminare zu interkultureller Kompetenz speziell für Amts- und Abteilungsleitungen, aber auch für Mitarbeiter/innen, die oftmals im direkten Kundenkontakt stehen, anzubieten. Fortbildungsangebote für alle Mitarbeiter/innen der Personalabteilung sollten ebenfalls angeboten werden.
  4. Langfristig sollten sich die veränderten Bevölkerungsstrukturen auch in den Mitarbeiterstrukturen in der Verwaltung wiederspiegeln, das heißt, der Anteil von Beschäftigten mit Migrationshintergrund in der Verwaltung sollte erhöht werden. Hinweise in den Ausschreibungen auf die Erwünschtheit von Bewerbungen von Menschen mit Migrationshintergrund stellen dabei ein Mittel in einer Reihe weiterer Maßnahmen dar.
  5. Förderung des bürgerschaftlichen Engagements von Menschen mit Migrationshintergrund. Eine wichtige Funktion können hier die sogenannten Integrationslotsen erfüllen, die selbst einen eigenen Migrationshintergrund aufweisen. Sie sind in der Regel mehrsprachig und können somit niedrigschwellige Hilfe und Unterstützung in den Herkunftssprachen der Zielgruppen leisten. Im Regelfall werden die Integrationslotsen themenspezifisch ausgebildet, beispielsweise im Bereich Bildung oder Gesundheit.
  6. Mehr Übungsleiter/innen mit Migrationshintergrund in Limburger Sportvereinen. Von der Sportjugend Hessen gibt es ein Programm „Integration durch Sport“, wo Menschen mit Migrationshintergrund zu sportübergreifenden Übungsleiterinnen und Übungsleitern ausgebildet werden.

 

Anhand dieser Handlungsempfehlungen wurde das folgende Integrationskonzept für Limburg entwickelt:

Integration ist Chefsache

Bestandsaufnahme und Analyse

Migrationsanteil der Limburger Bevölkerung

Um einen Überblick zu bekommen, wie hoch der Migrantenanteil in Limburg und seinen Stadtteilen ist, haben wir eine aktuelle Statistik nach Altersgruppen vom Einwohnermeldeamt zusammenstellen lassen. Hier ist zu sehen, dass der Migrantenanteil auf gesamt Limburg bei 27,46% liegt. In der Altersgruppe 6-18 Jahre, immer bezogen auf die Gesamtstadt, sind es 40,62% Migrantenanteil. Bei der Altersgruppe 0-5 sind es 52,69%. In der Kernstadt liegt der Anteil der Migranten bei dieser Altersgruppe bei 62,36%. Siehe Anlage 1.

Die Migranten setzen sich zusammen aus Limburgern mit ausländischem Pass sowie Doppelstaatlern. Hierbei noch nicht berücksichtigt sind Limburger mit Migrationsanteil, die ausschließlich einen deutschen Pass besitzen. Diese könnten nur in einem sehr aufwändigen Verfahren erfasst werden, wenn man die Rubrik der Deutschen nach Geburtsorten durchsucht.

Vereine

Im Folgenden ist eine Bestandsaufnahme von Limburger Vereinen gemacht worden, die einen ausländischen und/oder einen religiösen nichtchristlichen Hintergrund haben:

- Amigos Hondurenos - Freunde von Honduras e.V.

- Bildungs- und Kulturverein Limburg e.V. (Westerwaldstraße)

- Islamische Gemeinschaft Mili Görus IGMG Limburg (Eisenbahnstraße)

- Limburger Forum e.V. (Graupfortstraße)

- Türkisch-Islamische Gemeinde Limburg e.V. (Ditib) (Blumenröder Straße)

- Ahmadiya Muslim Gemeinde

- Jüdische Gemeinde

- Caritasverband - Zuwanderungsgruppe afghanische und iranische Flüchtlinge

- Afrikanische Gemeinde „Barmherziger Gott“/EPEID

- Afrikanische Gemeinde

- Islamisches Kulturzentrum

- KMG Koordinierungskreis muslimischer Gemeinden

- Marokkanischer Kulturverein Limburg e.V.

- Menschlicher Gemeinschaftsverein

- Portugiesisches Zentrum

- SEGAF Kulturverein e.V.

- Spanische Folkloregruppe „Aires de Espana“

- Amara Kulturhaus e.V.

- Verein für Deutsch-Brasilianische Partnerschaft e.V.

- Philippinische Gemeinde

Die ersten 8 Vereine treten aktiv in der Öffentlichkeit in Erscheinung. Die restlichen Vereine mögen intern aktiv sein, konnten aber bisher zu öffentlichen Aktivitäten oder einer Kandidatur zur Ausländerbeiratswahl nicht aktiviert werden. Über die genannten Vereine hinaus gibt es sicherlich noch einige Gruppierungen, die sich aber im privaten Rahmen treffen und öffentlich bisher nicht in Erscheinung getreten sind.

 

Einrichtungen und Institutionen

Folgende Einrichtungen und Institutionen gibt es in Limburg, die sich mit der Zielgruppe Migranten und Flüchtlinge kreisweit beschäftigen:

 

Beim Landkreis Limburg-Weilburg gibt es die Abteilung „Ausländerwesen“ im Amt für öffentliche Ordnung. Aufgabenbereiche in dieser Abteilung sind: Asylangelegenheiten, Vollzugsmaßnahmen, Aufenthaltsregelungen, Einreiseangelegenheiten und Ordnungswidrigkeiten. Im Sozialamt gibt es die Abteilung „Sozialhilfen außerhalb von Einrichtungen Migration“, wo die Betreuung von Asylbewerbern und Flüchtlingen angesiedelt ist. In Limburg gibt es drei anerkannte Anbieter von Integrationskursen, dessen Absolvierung zur Einbürgerung notwendig ist:

- VHS Kreis Limburg-Weilburg; Blumenröder Straße 44, Zeppelinstraße 2-8 und Diezer Straße 35, 65549 Limburg a. d. Lahn

- InBIT; Weiersteinstraße 4, 65549 Limburg a. d. Lahn

- Laura Bockler; Plötze 2, 65549 Limburg a. d. Lahn

 

Beim Caritasverband für den Bezirk Limburg e. V. gibt es verschiedene Bereiche, in denen mit Migranten gearbeitet wird.

Der Jugendmigrationsdienst bietet Beratung, Unterstützung und Hilfestellung für junge Ausländer und Menschen mit Migrationshintergrund zwischen 12 und 27 Jahren an. Er berät bei Problemen und Schwierigkeiten mit der Schule und am Arbeits-/Ausbildungsplatz, mit Ämtern und in der Familie, unterstützt bei der Ausbildungs- und Berufsorientierung, der Suche nach einem Sprachkurs und der Wahl einer geeigneten Schule. Er hilft bei der Anerkennung ausländischer Zeugnisse, Konflikten mit Behörden und der Suche nach Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, er informiert über Möglichkeiten der Sprachförderung und über das deutsche Schulsystem, außerdem vermittelt er an weitere Beratungsdienste wie „jobaktiv“, Hessen Campus Bildungsberatung, Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule, Schwangerenberatung und Erziehungsberatung.

Weiterhin wird eine Migrationsberatung für Erwachsene (MBE) angeboten. Diese Abteilung ist spezialisiert für die Bedürfnisse, Fragen und Problemlagen von Menschen, die als Fremde nach Deutschland gekommen sind oder neu einreisen. Das Angebot umfasst folgende Fragen und Themen: Aufenthaltsstatus, Unterstützung bei der beruflichen Integration, soziale Sicherung, Orientierungs- und Integrationshilfen / Vermittlung und Begleitung zu Integrationskursen, Erstellung von Integrationsförderplänen, Hilfen beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen / Hilfe im Kontakt mit Behörden, Hilfen in besonderen Lebenssituationen, Vermittlung an andere Fachdienste, Einrichtungen und Selbsthilfegruppen, Vernetzung von Hilfsangeboten, Mitwirkung bei der interkulturellen Öffnung von Regelangeboten, Öffentlichkeitsarbeit zu Fragen der Integration und der Migration.

Zuletzt bietet der BCV auch Beratung von Asylbewerbern und Flüchtlingen sowie Begleitung von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit an.

 

Seit 2012 hat sich die Gesellschaft für Ausbildung und Beschäftigung (GAB) des Landkreises Limburg-Weilburg dem bundesweiten Projekt „xenos“ angeschlossen. Die Aktion wird von der Bundesregierung und der europäischen Union gefördert. Ursprünglich war sie vor allem für Auszubildende gedacht, die selbst oder deren Eltern aus dem Ausland kommen. Inzwischen nehmen auch zunehmend Asylbewerber daran teil. Dieses Projekt ist mittlerweile ausgelaufen und es gibt zurzeit kein Nachfolgeprojekt.

 

Das Projekt „Integration Plus“ welches vom Bundesministerium des Innern (BMI) gefördert wird, ist zum 01.09.2012 bei der vhs Limburg-Weilburg gestartet. Hauptzielgruppen dieses Projektes, die direkt angesprochen und um Mitwirkung gebeten werden sollen sind

- Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 - 27 Jahren, mit und ohne Migrationshintergrund

- Eltern mit Migrationshintergrund, darunter Spätaussiedler, Ausländer und sogenannte Passdeutsche zu verstehen

- Ehrenamtliche Vertreter/-innen der lokalen Vereine und Feuerwehren, sowie Mitarbeite/-innen von sozialen Einrichtungen und Behörden (als Multiplikatoren).

 

Der Integrationsbeirat des Landkreises Limburg-Weilburg soll ein Bindeglied für einen aktiven kommunal-politischen Dialog zwischen der im Landkreis Limburg-Weilburg lebenden deutschen und ausländischen Bevölkerung, sowie eine Interessenvertretung der im Kreis lebenden Einwohner/innen mit Migrationshintergrund sein. Wichtige Ziele des Integrationsbeirates sind der Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und ein respektvolles Miteinander, die Förderung der Integration durch die Entwicklung geeigneter Maßnahmen und der Abbau von Hindernissen, die Verbesserung der Berufsausbildung und die Herstellung von Kontakten. Der Beirat soll darauf hinwirken, dass die deutsche Sprache ein Schlüssel zum Verständnis wird.

 

Auf Stadtebene sind die letzten beiden Ausländerbeiratswahlen nicht zustande gekommen. 2010 hatten sich trotz intensiver Bemühungen und Werbung lediglich 5 Personen bereiterklärt zu kandidieren, 13 wären erforderlich gewesen.

Dafür existiert in Limburg seit 2009 das Projekt „Vielfalt verbindet“. Es wurde zunächst im Rahmen des EU-Förderprogrammes „Stärken vor Ort gegründet“, nach Auslauf dieses Programmes ab 2012 durch das Amt für soziale Betreuung weitergeführt. Die Gruppe besteht aus ca. 20 Personen mit unterschiedlichen kulturellen und nationalen Hintergründen. Bei den regelmäßigen Treffen, die alle 4-6 Wochen stattfinden beteiligen sich ca. 8-10 Personen.

Die Gruppe „Vielfalt verbindet“ hat bisher unter anderem die folgenden Aktivitäten umgesetzt:

- Hausaufgabenbetreuung in den Räumlichkeiten des Bildungs- und Kulturvereins Limburg e.V. (Westerwaldstraße)

- Informationsabend für türkische Eltern über das deutsche Schul- und Bildungssystem

- Beteiligung am „Markt der Nationen“

- Begegnungsnachmittage

- Tee-Abende wo türkische Familien deutsche eingeladen haben

- Informationsveranstaltung bei der Feuerwehr sowie beim Roten Kreuz

- Veranstaltung zum Thema häusliche Gewalt und Optionspflicht

- Beteiligung am Aktionstag „Limburg engagiert sich“

- mittlerweile Organisation von vier Theaterveranstaltungen in Limburg

Bei diesen Aufführungen ist es gelungen mindestens 200 Zuschauer zu mobilisieren. Obwohl einige Migranten schon zwei bis drei Jahrzehnte hier in Limburg leben, waren sie zum ersten Mal bei einer Kulturveranstaltung in der Stadthalle. Bei den beiden letzten Theateraufführungen ist es gelungen, ein absolut gemischtes und heterogenes Publikum zusammenzuführen. Es waren Familien mit Kindern anwesend, Schulklassen, Vertreter von Jugendhäusern, bis hin zu Rentnern. Außerdem waren sehr viele Nationalitäten vertreten und es ist gelungen, sie mit Deutschen bei einer Veranstaltung zusammenzuführen, was bei Kulturveranstaltungen eher die Ausnahme darstellt.

„Vielfalt verbindet“ besteht ausschließlich aus ehrenamtlichen Personen, wobei die Koordination und Organisation über das Amt für soziale Betreuung geleistet wird. Mittelfristiges Ziel ist es, die Gruppe in Limburg weiter bekannt zu machen und ein Bündnis in Limburg zu etablieren, das die Vielfalt der Nationen und das friedliche und demokratische Miteinander vertritt.

Die Gruppe übernimmt auf städtischer Ebene die Funktion eines Integrationsbeirates. Vorteile der Gruppe sind, dass sie an keine Satzung oder an Regularien gebunden ist, und so wesentlich schneller und freier handeln kann. Es hat sich auch gezeigt, dass der Umgang mit „Verwaltungsgremien“ inklusive Satzung, strenger Tagesordnungen und Regularien (wie bspw. Beschlussfähigkeit) viele Menschen davon abhält mitzuarbeiten.

Im Rahmen des Integrationskonzeptes ist „Vielfalt verbindet“ ein wichtiges Bindeglied, um verschiedene Elemente umsetzen zu können. Das Konzept wird auch mit der Gruppe weiterentwickelt werden. Ziel ist es auch, weitere Nationalitäten und Personenkreise für die Arbeit der Gruppe zu gewinnen.

 

Monitoring

Neben der Bestandsaufnahme und der Analyse vor Ort sollte auch ein Integrationsmonitoring erarbeitet werden, um Indikatoren zur Verfügung zu haben, die bei der Festlegung von Zielen berücksichtigt werden können. Das Problem für Limburg als kreisangehörige Stadt ist, dass die meisten Institutionen wie zum Beispiel Schulträger, Jobcenter etc. beim Landkreis Limburg-Weilburg angesiedelt sind und damit die Daten schwer zugänglich sind.

Folgende Bereiche könnten jedoch bearbeitet werden:

- über das Standesamt kann man ermitteln, wie viele Ausländer sich pro Jahr eingebürgert haben und so eine Einbürgerungsquote errechnen

- über das Wohnungsamt kann der Anteil von Migranten bei den Anträgen auf Sozialwohnungen ermittelt werden

- über das Gewerbeamt kann der Migrationsanteil bei selbstständig Gewerbetreibenden erfragt werden

- über das Ordnungsamt kann der Anteil der Migranten in Obdachlosenwohnungen, Zwangsunterbringungen und -räumungen ermittelt werden

- Anteil von Migranten bei Limburg-Pass-Inhabern

- die Betreuungsquote von Kindern mit Migrationshintergrund in Kinderkrippen und in Kindertagesstätten

- mit Hilfe der Polizei kann eine Kriminalitätsstatistik angefertigt werden, hier sollte man zwischen Tatverdächtigen und Verurteilten unterscheiden

- Heirat mit Partner, der noch im Ausland lebt

- Heirat mit Deutschen od. anderen Nationalitäten (Einheiratsquote)

- Schulabgänger ohne Abschluss

- Gymnasialquote

- Schuleingangsuntersuchung

 

Definition Integration

Die Stadt Limburg versteht unter Integration „den dauerhaften Prozess der Eingliederung von Zuwanderern und Menschen mit Migrationsgrund in die Aufnahmegesellschaft sowie die Angleichung ihrer Lebenslagen ohne Aufgabe der jeweils eigenen kulturellen Identität“.

Sie gliedert den Integrationsprozess in vier Dimensionen:

- strukturelle Integration (=Eingliederung der Migranten in Kerninstitutionen der Aufnahmegesellschaft)

- soziale Integration (= Spracherwerb und Wertvorstellungen)

- Identifikatorische Integration (= Zugehörigkeitsgefühl)

 

 

 

 

Integration als Querschnittsaufgabe, Wiederspiegelung der veränderten Bevölkerungsstruktur in den Mitarbeiterstrukturen der Verwaltung

Verwaltung und andere Institutionen stehen zusehends vor der Herausforderung sich interkulturell zu öffnen, um alle Zielgruppen der städtischen Bevölkerung gut erreichen und ihre Aufgaben effizient gestalten zu können. Wege zu einer interkulturellen Orientierung und Öffnung müssen dabei als ganzheitliche Organisationsentwicklungsprozesse gestaltet werden. Hier ist es wichtig, alle Amts- und Abteilungsleiter in das Thema miteinzubeziehen. Neben Führungskräften sollten aber auch stets Mitarbeiter/innen ohne Führungsaufgaben einbezogen werden, die oftmals im direkten Kundenkontakt stehen.

Die Bereitschaft aller Amts- und Abteilungsleitungen dieses Thema zu besetzen kann nicht als selbstverständlich angesehen werden. Als ein wirksames Instrument, um dieser Herausforderung zu begegnen, zeigte sich der Einsatz der höchsten Verwaltungsleitung, des Bürgermeisters bzw. Stadtrates.

 

Den Weg zur Weiterentwicklung von interkultureller Kompetenz des Personals können auch von gezielten Fortbildungsangeboten begleitet werden. Es erscheint erfolgsversprechend Mitarbeiter/innen über karrierebedingte Anreize für eine Teilnahme an freiwilligen Seminarangeboten zu motivieren. Mögliche Themen der Fortbildungsveranstaltungen können sein:

- Dimensionen der interkulturellen Kommunikation (kulturbedingte Unterschiede bei Gender, Hierarchie, Individualität, Sprechverhalten, indirekte und direkte Sprachrichtung, Sprechpausen und -melodien, Sprechen mit unzureichenden Sprachkenntnissen, Umgang mit Zeit, unterschiedliche Werte und Bezugssysteme, Konfliktverhalten)

- Reflektion und Klärung der jeweils erlebten problematischen Kommunikationssituationen im Arbeitsfeld, Herausarbeitung von typischen Konflikten und eigenen Gesprächsführungsmustern

- Simulation und Übung zum Umgang mit Fremdheitsgefühlen zur Entwicklung von interkultureller Sensibilität und Empathie, sowie zum bewussteren Umgang mit eigener Unsicherheit in unangenehmen und befremdlichen Kommunikationssituationen und Erweiterung der Kommunikationskompetenz

 

Neben der Schulung von Mitarbeitern im Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund und der damit einhergehenden Steigerung der interkulturellen Kompetenz der Beschäftigten ist die Erhöhung des Anteils der Mitarbeiter mit Migrationshintergrund ein weiterer Schritt zur interkulturellen Öffnung der Verwaltung. In den Modellregionen wurden unter anderem folgende Anstrengungen unternommen, um den Anteil der Personen mit Migrationshintergrund in der Verwaltung zu erhöhen:

- Hinweise in den Ausschreibungen auf die Erwünschtheit von Bewerbungen von Menschen mit Migrationshintergrund stellten dabei ein Mittel in einer Reihe weiterer Maßnahmen dar.

- Fortbildungsangebote für alle Mitarbeiter der Personalabteilung stellen eine gute Gelegenheit dar, um gemeinsam Strategien zur Erhöhung des Anteils von Bewerbern und Bewerberinnen sowie neu eingestellten Mitarbeitern mit einer hohen interkulturellen Kompetenz in der Verwaltung zu erarbeiten.

- Man könnte eine Checkliste entwerfen, die Kriterien der interkulturellen Kompetenz enthält.

- Bei der Rekrutierung von Auszubildenden Informationsschreiben an Migrantenorganisationen und Vereinen senden, für Bewerber als Auszubildende können offene Vorbereitungskurse zum Auswahlverfahren angeboten werden. Durch diese Vorbereitungskurse sollten zugewanderte Jugendliche im Vorfeld des Bewerbungsverfahrens zusätzliche Kenntnisse über ihr lokales Umfeld erwerben und somit einen ähnlichen Wissensstand wie einheimische Jugendliche über die Stadt als potenziellen Auftraggeber erlangen und dadurch ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz in der Verwaltung erhöhen.

 

 

Förderung des bürgerschaftlichen Engagements

Das freiwillige und bürgerschaftliche Engagement gilt sowohl als Motor als auch als Indikator für Integration. Es fördert interkulturelle Lernprozesse und das Gemeinschaftsgefühl. Für die zugewanderte Bevölkerung ist es oft eine unersetzliche Form der Unterstützung, insbesondere der Neuzuwanderer. Eine wichtige Funktion können hierbei Integrationslotsen übernehmen. In den meisten Fällen weisen Integrationslotsen selbst einen eigenen Migrationshintergrund auf. Sie sind in der Regel mehrsprachig und können somit niedrigschwellig Hilfen und Unterstützung in den Herkunftssprachen der Zielgruppe leisten. Im Regelfall werden die Integrationslotsen themenspezifisch ausgebildet und beispielsweise nur im Bereich Bildung und Gesundheit eingesetzt.

Partizipation ganz besonders im Sinne einer Teilnahme und Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund am gesellschaftlichen Leben wird im Bereich des ehrenamtlichen Engagements zum Beispiel in der Aufnahme von Lotsen-Tätigkeiten oder von Ämtern innerhalb von Vereinsstrukturen für die Öffentlichkeit sichtbar. Hier könnte LEA unterstützend mitwirken. Beim Aufbau von Lotsenprojekten sollten Integrationslotsen von Beginn an intensiv zu bestimmten Themenfeldern geschult und für ihre ehrenamtliche Tätigkeit mit konkreten Einsatzfeldern versehen. Die Schulung sollte dabei einen hohen Anwendungsbezug aufweisen und die Teilnehmenden gezielt und praxisorientiert auf ihren Einsatz als Lotsen vorbereiten sowie in der Ausübungsphase begleiten. Das Land Hessen bietet mit seiner Förderung von Basisqualifizierungen und Vertiefungsseminaren für ehrenamtliche Integrationslotsen und -lotsinnen eine Unterstützung von Lotsenprojekten an. Die Würdigung der ehrenamtlichen Tätigkeit durch die Kommune ist ein wichtiger Faktor für die Motivation der Lotsen, dazu zählt auch die Bereitstellung einer Aufwandsentschädigung.

 

 

Ausbildung zu Übungsleiter/innen in Sportvereinen

Im Sport speziell im Vereinssport steckt ein großes Integrationspotenzial, da der gemeinsame Sport, Werte wie Fairness und Wertschätzung und den Abbau von Vorurteilen unabhängig von nationaler bzw. kultureller Herkunft der Mitglieder fördert. Im Zuge der interkulturellen Öffnung der Limburger Sportvereine ist es das Ziel Migranten als Übungsleiter auszubilden, welche anschließend niedrigschwellige Angebote in Wohnquartieren anbieten und den Weg zu einer Mitgliedschaft im Verein vorbereiten. Mit dem Engagement der Übungsleiter mit Migrationshintergrund ist auch ein Zuwachs an Mitgliedern aus Einwandererfamilien in den Vereinen zu erwarten. Langfristig gesehen ist das Ziel, dass die Übungsleiter auch auf Vorstandsebene bzw. als Integrationsbeauftragte tätig werden.

 

Weitere integrationsfördernde Maßnahmen können sein:

- Einbürgerungsfeier, Einbürgerungsurkunde, Einbürgerungsgeschenk

Durch diese Maßnahmen demonstriert die Kommune, dass sie die neuen Staatsbürger/innen willkommen heißt und sie bedeutet eine Anerkennung der neu Eingebürgerten. Es respektiert ihre bisherigen Anstrengungen, schafft bei Neubürger/innen ein positives Verhältnis zu ihrer Einbürgerung und stärkt die Bindung an Deutschland. In der Bevölkerung schafft die Feier oder die anderen Maßnahmen ein Bewusstsein für das Ereignis und den Prozess der Einbürgerung. Diese kann als ein positiver und selbstverständlicher Teil unseres Lebens in Deutschland wahrgenommen werden, denn die Voraussetzung für eine gelungene Integration ist auch die Sensibilisierung und Öffnung der Einwanderungsgesellschaft. Eine Einbürgerungsfeier bietet darüber hinaus die Möglichkeit, die positiven Werte unserer Demokratie noch einmal zu vergegenwärtigen.

- Muslimische Seelsorge

Insbesondere für Muslimas und Muslime besteht ein sehr hoher Bedarf an spezifischer kultur- und religionssensibler Betreuung in Krankenhäusern, Altenpflegeheimen und anderen Einrichtungen.

- Die Landesregierung hat ein Projekt zur Altenpflegehelferausbildung für junge Migranten gestartet, Ziel ist es, den akuten Personalmangel in der Altenpflege durch neue Ideen und Bewerbergruppen zu vermindern.

- Gewinnung von Personen mit Migrationshintergrund für den Beruf der Erzieherin/des Erziehers

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